Guter schlechter Witz

Auf der Suche nach einer Beschäftigung, die Geld bringt und Spass macht – auf der Suche nach dem Heiligen Gral also – bin ich irgendwann zuerst auf die Seite Bloggerjobs

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und dort dann auf ein Jobangebot gestoßen, das interessant klang. Die Anzeige lautete: „Computer Blog sucht Verstärkung“. Nachdem ich meine „Bewerbung“ abgeschickt hatte, erhielt ich eine Mail mit der Aufforderung, meine „Vorstellung von der kommenden Entlohnung“, die ich ja sicherlich hätte, mitzuteilen.

Als ich den Ball dann charmant wieder zurück gespielt hatte, bekam ich wieder eine Mail. Dieses Mal mit einer konkreten Ansage: „wir können zurzeit 1 Euro pro 100 Wörter Zahlen“. 1 Euro pro 100 Zeichen wäre schon wenig gewesen, aber dieses Angebot war… Und seit wann nimmt man  Wörter anstelle von Zeichen als Grundlage?  Besteht ein Text nur aus so langen Wörtern wie „Generalstaatsverordnetenversammlung“ oder „Unprämonstratenserinnenschaftlichkeit“, dann ist man als Lektor oder Übersetzer bei so einem Deal schnell der Dumme.

Jedenfalls: Als ich wieder atmen konnte, habe ich mir die Seite mal etwas genauer angeguckt (deren Namen ich hier nicht nennen möchte, denn wenn die Seite durch meine Schuld mehr Traffic erhält, sehen sich die Verantwortlichen u. U. genötigt, mehr Artikel zu veröffentlichen; dafür müssen sie dann aber u. U. jemanden einstellen, der dann aber u. U. nicht für einen Hungerlohn Euro/100 Wörter arbeiten will; dann gibt es u. U. Ärger, und das will doch niemand.). Symptomatisch für die Seite war ein Artikel über Videokarten. Da der Autor offenbar keinen Bock hatte, mit 83 Cent nach Hause zu gehen, hat er den Artikel künstlich etwas aufgebläht, indem er alle Features und Spezifikationen der von ihm beschriebenen Videokarten aufgelistet hat. Mit diesem Trick hat er dann wohl ungefähr 3, 50 Euro verdient. Bedenkt man, wie viel Zeit er für die Recherche, das Schreiben, das Formatieren etc. verbraten haben muss,  wird er wohl heute zu denjenigen gehören, die wieder Lotto spielen.

Na ja, Einzellfall. Könnte man meinen. Aber nö. Sieht eher nach der Regel aus. Ein weiteres Beispiel gefällig, welcher Art Angebote einen bei Bloggerjobs erwarten? Bitteschön:

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Für einen Heiermann soll man also nicht viel mehr machen als… ALLES! Wenn ich den Ausdruck korrigieren soll und mir dann die Jobbeschreibung angucke („Englische Übersetung Korrekturlesen“), dann kann ich mir schon vorstellen, was da kommt. Zusätzlich noch die Zeichensetzung, Grammatik etc. – und das alles natürlich völlig ohne Zeitdruck. Muss ja nur „heute oder morgen gemacht werden.“ Ein Klacks also. Leicht verdientes Geld.

Hält man sich kurz vor Augen, dass ungefähr 3944 Zeichen auf einem DINA4-Blatt Platz finden (ohne Leerzeichen und mit einfachem Zeilenabstand), und teilt man diese durch 6 (eine von mir willkürlich festgelegte Anzahl von Zeichen in einem durchschnittlichen englischen Wort), dann erhält man als Ergebnis 788,8 Wörter. Der Text von Chris dürfte dann wohl knapp eine Seite füllen. Wer das für 5 Euro macht, den stelle ich sofort als Lektor bei mir ein.

Chris, das war ein guter schlechter Witz!

Ich gehe jetzt erst mal Lotto spielen…

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