Aufruf zur Rettung Islands

Wenn ich bei Monopoly als unerwünschter Gast auf der Schlossallee lande, dann sind folgende Szenarien denkbar: 1. Ich habe keine Kohle und scheide aus. 2. Ich habe Kohle und zahle. 3. Ich habe keine Kohle, aber Hotels auf meinen Straßen. Die reiße ich dann ab, sacke die Kohle ein und bezahle meinen Mitspieler. 4. Ich begleiche meine Schuld, indem ich meinem Mitspieler ein paar Straßen überlasse, auf die er schon die ganze Zeit scharf ist. Nochwas? Nö. O.K.

Nun stellen wir uns mal kurz vor, ein Spieler namens Island hat einen 6er-Pasch gewürfelt, gedacht, er könne so easy an der mit einem Hotel bebauten Schlossallee vorbeiziehen, wähnte sich schon im Glück, während viele seiner Mitspieler zuvor Pech hatten und zahlen mussten… – der Spieler Island denkt sich also nichts Böses und ist daher wie vom Donner gerührt, als er fett und satt auf dem Bankrottfeld Schlossallee landet. Und nun? Was tun?

Wie oben beschrieben, gibt es nun vier Szenarien. Schauen wir uns das Ganze mal genauer an und gucken, was geht:

Islands Banken haben so viele Schulden angehäuft, dass selbst der Staat wohl nicht genug Geld hat, sie zu retten. […]

Allein die drei größten Banken des Landes – Kaupthing, Landsbanki und Glitnir – türmten in den vergangenen Jahren durch riskante Finanzgeschäfte und eine rasche Expansion Schulden auf, die schätzungsweise zehn- bis zwölfmal so hoch sind wie die gesamte Wirtschaftsleistung des Inselvolks, das pro Jahr Waren und Dienstleistungen für umgerechnet 15 Milliarden Euro erzeugt und erbringt. Der Schuldenberg der Banken summiert sich auf 150 bis 180 Milliarden Euro.

Im Klartext: Island ist pleite und kann nicht zahlen. Szenario 1 würde hier also bestens passen, allerdings kann man Island nicht mal eben so vom Spielfeld Globus wischen, weshalb wir dieses Szenario erstmal zurückstellen wollen. Szenario 2 fällt ebenfalls weg. Gucken wir mal weiter:

Von der isländischen Zentralbank darf Haarde nicht allzu viel erwarten. Grund: Sie verfügt gerade einmal über umgerechnet 4,3 Milliarden Euro an Reserven. Zur mittelfristigen Refinanzierung der Banken sind jedoch schätzungsweise mindestens zehn Milliarden Euro nötig. Die Sedlabanki, wie die Notenbank auf Isländisch heißt, will sich deswegen auch bei den Pensionsfonds Geld leihen. Diese sitzen derzeit auf rund zwölf Milliarden Euro, vorwiegend in ausländischen Währungen, die leicht flüssig gemacht werden und dem Staat aus seiner Finanzklemme helfen könnten.

Wäre wohl sowas wie Szenario Nummero 3. Geld aus Alternativquellen flüssig machen, die einem zur Verfügung stehen. Was gibt’s sonst noch?

[…} als die Meldung durchsickerte, Russland wolle der angeschlagenen Volkswirtschaft mit einem 4-Milliarden-Euro-Kredit unter die Arme greifen. Russland dementierte zunächst und will das Ansuchen Islands nun doch „wohlwollend“ prüfen.

Nicht ganz Szenario 4. Eher Szenario 5, das oben nicht erwähnt wurde: Straßen an alle Mitspieler verkaufen und hoffen, so genügend Geld einzunehmen, um seine Schulden begleichen zu können…

Merke gerade, dass mein Monopoly-Bild gerade etwas aus den Fugen gerät. Hätte wohl doch nicht so starkes Zeug aus Holland mitbringen dürfen…

Ich kürze die Geschichte daher hier mal ab und sage direkt, worauf ich eigentlich hinaus will: Island soll einfach mal eine kleine Resterampe mit Landschaftsteilen zum Kauf anbieten, die man nicht mehr braucht. Die scheinen laut Wikipedia doch genügend Land zu haben:

Island ist relativ dünn besiedelt: Auf 40 km² befinden sich im Schnitt zwei bis vier Häuser. 

Ist doch super. Soll man ausländischen Investoren einfach ein wenig Land für ein wenig Geld überlassen, und fix ist die Kasse wieder voll.

Zudem gibt es auf Island etwa 130 aktive Vulkane. Die könnte man ja auch an ausländische Institute zum Zwecke der Wissenschaft verkaufen. Oder den Vatnajökull. Findet sich bestimmt jemand, der in ein Trinkwasserreservoir der Zukunft investieren möchte. Oder man erteilt den Japanern eine Walfanglizenz. Oder. Oder. Oder. Es gäbe für die Isländer so viele Möglichkeiten, an Geld zu kommen. Hat doch damals bei den Russen mit Alaska auch wunderbar funktioniert!

Und was habe ich aus dem Ganzen nun für eine Lehre gezogen? Antwort: Island muss ich unbedingt mal besuchen, scheint ein wunderschönes Land zu sein!

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4 Antworten zu “Aufruf zur Rettung Islands

  1. „Und was habe ich aus dem Ganzen nun für eine Lehre gezogen? Antwort: Island muss ich unbedingt mal besuchen, scheint ein wunderschönes Land zu sein!“

    Stimmt! und leider bist du kein Einzelfall 😉
    Ich dachte letztes Jahr noch, hui Island da war sicherlich noch keiner … Naja was solls. 2 Meiner Arbeitskollegen können mir schon „Insider Tipps“ geben *heul*

  2. Na dann wird’s jetzt aber hoechste Zeit, dass du deinen Rucksack packst, dich auf deinen Drahtesel schwingst und losflitzt! 😀 Die Islaender brauchen dich naemlich jetzt dringender denn je, bzw. dein Geld. 😀 Wenn die naemlich so weitermachen, dann heisst der Inselstaat bald Islandska, gehoert den Russen und du kommst ohne KGB-Mitgliedsausweis nicht mehr rein…

  3. Pullipräsident

    Island war, soweit ich mich erinnern kann, in den Neunzigern ein stark gehypetes Reiseziel (ähnlich wie Neuseeland), auch mit nem Haufen Pauschalangeboten. Müssten also eigentlich Unmengen deutscher Touristen herumgestromert sein, aber dort verteilt sich ja alles ganz gut. Dass daraus jetzt wieder ein „Geheimtipp“ geworden sein soll, hat mich zuerst gewundert, aber es ist seitdem wohl noch viel teurer geworden, auf der Insel. Naja, bis letzte Woche. 🙂

    Kann mich aber immer noch nicht reizen. Ein Land, komplett ohne Wald. Wie deprimierend.

  4. Ja, jetzt duerfte es dort wieder ein bisschen guenstiger zugehen… 😀

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