Förderung statt Expansion

Etliche Male habe ich auf den zahlreichen NUK-Meetings und später auch von meinem Unternehmensberater gehört, daß die Expansion eines Unternehmens ins Ausland eine Strategie ist, die durchaus sinnvoll sein kann, zuvor aber -natürlich – wohl überlegt und gut durchdacht sein muß. Bevor man als Unternehmen einen solchen Schritt wagt, sollte man sich zuerst auf dem Heimatmarkt etablieren. Dies bedeutet nicht, daß man dort der Platzhirsch sein muß, aber man sollte auch nicht gerade erst aus der Insolvenz entlassen worden sein.

Nun, eigentlich einleuchtend. Umso erstaunter war ich daher, als ich heute morgen las, daß die Verantwortlichen bei Senator Entertainment, einem deutschen Filmproduktions- und Verleihunternehmen, offenbar dachten, mit genau der entgegengesetzen Strategie erfolgreich sein zu können. Nachdem man in den 90er Jahren einige Erfolge feiern konnte (u.a. mit Manta, der Film und Bang Boom Bang), hat bei manchen der Höhenflug offenbar zu akutem Sauerstoffmangel im Gehirn geführt. Kurz vor dem Crash haben dann aber die beiden Bruchpiloten ihr Bewußtsein wiedererlangt, die Fallschirme umgeschnallt und sind abgesprungen, von den 130 Passagieren haben den Absturz nur 23 überlebt (…)

Nachdem man sich also an einem zu großen Filmprojekt überhoben hatte und damit in eine von 2004 bis 2006 dauernde Insolvenz geschliddert war, sollten mit der neuen Firmenleitung wieder schwarze Zahlen geschrieben werden. Doch leider, leider… Nicht ahnend, daß wer hierzuland ein Star ist, in Übersee ein Sternchen oder noch weniger sein könnte, beschloß man, sich in direkte Konkurrenz zu einigen US-Unternehmen zu  begeben, etwa zu Warner, Universal oder Disney. Tja, und dann folgte die „Einsicht“:

„Wir mussten in den vergangenen sechs bis acht Monaten erkennen, dass wir mit unseren internationalen Produktionen Geld verlieren“, sagte Senator-Chef Helge Sasse der FTD. Jeder einzelne Film habe substanziell Verlust gemacht. Im ersten Halbjahr verbuchte Senator daher vor Steuern ein Minus von rund 10,1 Mio. Euro – nach 1,8 Mio. Euro Gewinn im Vorjahr. Der Umsatz sank von 28,5 auf 16,1 Mio. Euro. […]

Damit kapituliert eine der bekanntesten deutschen Filmfirmen vor der Finanz- und Marketingmacht der US-Studios. Gut zwei Drittel der Erlöse im schwankungsanfälligen deutschen Kinogeschäft entfielen zuletzt auf amerikanische Verleiher wie Warner, Universal oder Disney. Senator kam gerade mal auf einen Umsatzanteil von 1,4 Prozent.

Bei dem Versuch, mit den großen Hunden zu pinkeln, wurde man also von ihnen naß gemacht. Mal wieder. Aber warum erwähne ich das überhaupt? Könnte mir doch eigentlich egal sein, was mit irgendeiner Firma passiert, die sich selbst überschätzt. Gibt doch bestimmt unzählige Unternehmen, denen es nicht anders ergeht (oder ergehen wird).

Die Antwort auf diese Frage ist so einfach, daß sie sich der eine oder andere bestimmt schon selbst gegeben hat:

Ab 2010 will Senator jährlich acht deutsche und maximal drei internationale Filme in die Kinos bringen. Bislang war das Verhältnis umgekehrt. Für die Kehrtwende spricht auch, dass deutsche Filme staatlich gefördert werden.

Toll! Wäre Senator Entertainment in den USA erfolgreich geworden, hätte man bestimmt früher oder später den Standort dorthin verlagert und dies mit allen möglichen Ausreden begründet, nur nicht damit, daß man Steuern sparen wolle. In Jürgen-Klinsmann-Manier hätte man dann weiterhin deutsche Projekte von den USA aus betreut, käme ab und zu rübergejettet… naja, denke, jeder kennt das Lied. Und nun? Genau die Gelder, die man bei einer erfolgreichen Expansion dem Fiskus vorenthalten hätte, nimmt man jetzt gerne in Anspruch, um sich selbst zu sanieren.

Irgendwie liebe ich Deutschland. Es ist, glaube ich, eines der wenigen Länder, in denen man wie zu Mutti nach Hause kommen und sich an ihrer Brust nähren kann. Mutti verzeiht immer und alles und ist einfach nur glücklich, daß das Kind wieder da ist. (Bester Beweis hierfür sind doch wohl die Fernsehsendungen, in denen die Leute erst aus Deutschland abhauen, weil es ihnen hier zu grau, trist und düster ist – ach ja, und weil sie im Ausland natürlich bessere Jobs bekommen – , nur um dann reumütig wieder heimzukommen, weil sie Deutschland doch so sehr lieben. Und sein Sozialsystem. Aber das erwähnt keiner.)

Warum gibt es eigentlich nicht so ein Formular, auf dem ich ankreuzen kann, wofür meine Steuergelder genutzt werden sollen. Neben einigen Pflichtfeldern (z.B. Staatshaushalt), auf die prozentual der größte Teil meines Geldes entfällt, könnte ich über das „Einsatzgebiet“ des Restbetrags selbst bestimmen. Das wäre toll. Damit würde dann immer nur derjenige etwas bekommen, der sich um mein Geld bemüht, d.h. mir plausibel machen kann, warum ich „spenden“ sollte. Ich würde dann alles dem Bereich „Wiederaufbau maroder Unternehmen“ spenden…

Advertisements

Eine Antwort zu “Förderung statt Expansion

  1. Pingback: Senator Film hat keine Ausdauer und ändert Geschaftsstrategie « Medien-Monopoly

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s