Homo homini lupus

…das war vor einiger Zeit mein Fazit, nachdem ich über das traurige Schicksal einer Frau geschrieben hatte, die in der Notaufnahme eines Krankenhauses gestorben war, weil sich niemand um sie gekümmert hatte.

Heute muß ich feststellen, daß ich seinerzeit etwas naiv und unbedarft war. Ich hatte nämlich angenommen, solche tragischen Schicksale seien eher die Ausnahme als die Regel. Wahrscheinlicher ist aber, daß sie sich sehr viel häufiger ereignen, als ich gedacht hatte. Sie werden offenbar nur besser und länger verschwiegen als andere Straftaten! Vergleichbar den Fällen von Kinderschändung oder gewalttätigen Übergriffen von Jugendlichen, die erst durch eine vermehrte Berichterstattung in den Medien von einer breiten Masse und in einer stärkeren Form zur Kenntnis genommen wurden, geraten die Fehltritte von Krankenhauspersonal weltweit immer mehr in den Fokus der Aufmerksamkeit. Und erst durch dieses aufkeimende Interesse werden Vorfälle publik (gemacht), die sonst vermutlich für immer verschwiegen worden wären.

So auch der Fall von Steven Sabock, der sich bereits im April ereignet hatte (also 3 Monate vor meinem o.g. Artikel). Im Cherry Hospital im US-Staat North Carolina starb Sabock, nachdem er vom Pflegepersonal fast einen gesamten Tag alleine in seinem Stuhl sitzen gelassen worden war.

22 Stunden lang erhielt er keine medizinische Betreuung, kein Essen und konnte auch nicht zur Toilette gehen. Die Pflegekräfte schauten stattdessen lieber fern, spielten Karten oder telefonierten mit ihren Handys. Das haben Mittschnitte von Überwachungskameras ans Licht gebracht. Ganze vier Mal wechselten sogar die Schichten beim Personal, ohne dass sich jemand für Sabock interessierte.

Das, was ich bereits zu der anderen Krankenhaus-Tragödie geschrieben habe, ist 1:1 auf diesen Fall übertragbar. Ich möchte hier aber noch einen Schritt weiter gehen, und zwar, indem ich eine Frage aufwerfe: Was ist der Grund dafür, dass sich Krankenhauspersonal so verhält, wie in den beschriebenen Fällen? – Ist es Stress? Überforderung? Inkompetenz? Schlechte Laune? Lustlosigkeit? Langeweile? Vielleicht von allem ein bisschen? Ich glaube, es handelt sich um eine Form von Machtspiel, eine Demonstration von Macht!

Wenn mein Sohn nicht das essen will, was gekocht wurde sondern stattdessen auf den Teller mit Süßigkeiten zeigt, dann könnte ich ihn packen, in sein Zimmer sperren und so lange hungern lassen, bis er bereitwillig das isst, was ihm angeboten wird. Damit demonstriere ich ihm meine Überlegenheit – seine Unterlegenheit – und signalisiere ihm, daß er sich besser meiner Macht beugt, d.h. mir gehorcht, weil sonst sein leibliches Wohl gefährdet ist. Oft genug führen solche von den Eltern geführten Machtspielchen leider zum Tod des Kindes – weil es zu jung ist, um zu verstehen, was da passiert und Schreien das einizge Mittel ist, das es kennt, um seinen Part zu spielen. Und weil die Eltern zu dumm sind…!

Solche Zurschaustellung von Macht, man könnte es einfach auch Machtmissbrauch nennen, ist meiner Meinung nach in den oben erwähnten Fällen der Grund dafür, warum die Patienten sterben mussten. Ich behaupte nicht, dass sich alle Krankenhausangestellten, die Kontakt mit Patienten haben, an ihrer vermeintlichen Überlegenheit laben; wer sich aber so verhält wie oben beschrieben, handelt sicherlich aus dem Grund.

Ähnlich wie in dem Beispiel mit meinem Sohn, wird dem psychisch (!) kranken Mann die Macht des Personals zunächst durch „Wegsperren“demonstriert, indem man ihn für 22 Stunden auf einen Stuhl setzt, wo er weder medizinisch versorgt wird noch seiner Notdurft verrrichten kann. Anschliessend folgt dann der Nahrungsentzug:

Doch der Patient scheint nicht nur an seinem Todestag kein Essen bekommen zu haben. Wie aus einem Untersuchungsbericht hervorgeht, erhielt Sabock bereits in den drei Tagen davor nur wenig Nahrung.

Dann folgt, motiviert durch späte Einsicht oder Angst, der Versuch einer „Aussprache“, und schliesslich der erfolglose Vertuschungsversuch:

Demnach versuchten Pfleger kurz vor Sabocks Tod, ihn dazu zu überreden, in sein Zimmer zurückzukehren – nachdem er bereits Stunden auf dem Stuhl verbracht hatte. Da dies nicht gelang, setzten sie den Patienten in einen Rollstuhl und schoben ihn zurück in sein Zimmer. Auf dem Video ist zu sehen, wie kurze Zeit später Geräte für lebensrettende Maßnahmen zu ihm gebracht werden. Eigentlich hatte ein Arzt zuvor angeordnet, Sabock alle zwei Stunden mit Medikamenten zu versorgen und alle sechs Stunden seine Lebenszeichen zu prüfen. Dem wurde aber offensichtlich nicht gefolgt.

An dieser Stelle drängt sich nun natürlich die Frage auf, wer oder was die Leute dazu (ver)führt, ihre Macht in solcher Weise zu missbrauchen? Hierfür gibt es sicherlich viele psychologische Erklärungsansätze, die ich hier nicht alle anführen brauche. Nur einen Aspekt möchte ich beleuchten, da er von mir in diesem Blog schon des häufigeren kritisiert wurde. Es handelt sich dabei um den zunehmenden Kontrollwahn des Staates und die Folgen, die dieser Wahn nach sich zieht.  

Der Staat greift hierzulande immer weiter in die Privatssphäre seiner Bürger ein und versucht, sie zu kontrollieren. Durch diese Grenzüberschreitung des Staates (= Streben nach Kontrolle = Drang nach Macht) stürzt der Einzelne in eine Halt- und Machtlosigkeit. Bei den einen äußert sich diese in einer „Ohnmacht“, bei den anderen in dem Streben, an anderer Stelle das Gefühl der Macht wiederzuentdecken. Dies gelingt ihnen aber nur, wenn sie Schwächere finden… Und hier schließt sich der Kreis.

In letzter Konsequenz führt ein solches System zu einem Zustand, wie er in den Klassikern der Dystopie bereits vorweggenommen wurde. Ein Staat, bestehend aus Denunzianten, nach etwas Macht strebenden Duckmäusern, Tyrannen, Hilflosen… Wer glaubt, ich übertreibe, der soll mal einen Tag lang mit offenen Augen und Ohren durch die Stadt gehen. Dort wird er dann auf den Busfahrer treffen, der ihm verbietet, mit Kinderwagen durch die vordere Tür einzusteigen, auf den Türsteher, der ihm verbietet, die Disko zu betreten und neuerdings auch auf den Sozialfahnder, auch jetzt mal was zu sagen haben will. Der Aufschrei in der Bevölkerung war meines Erachtens nicht deswegen so groß, weil Sat1 eine Doku-Soap zeigt, in der Jagd aud Sozialschmarotzer gemacht wird – denn die will keiner von uns mitfinanzieren -, sondern weil die Sozialfahnder plötzlich etwas dürfen, was sie vorher nicht durften – nämlich richten! Carin Pawlak hat es daher in meinen Augen richtig auf dem Punkt gebracht:

In Berlin-Reinickendorf habe ich für eine FOCUS-Reportage eine Sozialfahnderin eine Woche lang begleitet. Die erste Regel für die Arbeiter vom Amt lautet: Jede persönliche Bemerkung ist zu unterdrücken. Der Sozialfahnder hat zu prüfen, nicht zu richten.

Und wer richtet, hat Macht. Und wer Macht hat, der nutzt sie auch. Irgendwann.

Leviathan war gestern. Heute wollen die Menschen selbst bestimmen. Laß ihnen ihren Freiraum, sonst schaffen sie ihn sich selbst. Im Zweifellsfall mit Gewalt!

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