Wie man es macht, man macht es richtig

Mein Statement zur deutschen Journalie: Überwiegend ein Volk von wendehälsigen Speichelleckern, für die der Sabber aller möglichen ausländischen X-, Y- und Z-Promis wie Nektar schmeckt, die sich aber bei den gleichen Ausscheidungen der deutschen Pendants übergeben müssen.

Damit ist eigentlich alles gesagt!

Und nur damit mir niemand nachsagen kann, ich würde völlig grundlos und zu unrecht einen ehrbaren Berufszweig diskreditieren, stimatisieren, verurteilen und was sonst noch, liefere ich noch kurz den Grund nach, warum ich so würge denke.

Vor einigen Wochen sorgte der britische TV-Koch Jamie Oliver für Schlagzeilen, als er vor laufender Kamera Küken vergaste. Dies tat er, um auf die Missstände in der Massentierhaltung aufmerksam zu machen. Löbliches Ziel, falsche Methode, war meine Meinung. In der Presse hingegen wurde argumentiert, jede Methode, die den lethargischen Zuschauer aufweckt, aufschreckt und zum Umdenken animiert, sei wünschenswert, wenn nicht sogar bitter nötig! Frei nach dem Motto: Der Zweck heiligt die Mittel. O.K. Ist ein klares Statement, das ich akzeptieren kann, ohne der gleichen Meinung zu sein.

So. Nun lief gestern abend im ZDF die Reportage „Hannes Jaennicke: Einsatz für Orang Utans“. Völlig egal, ob Herr Jaennicke ein guter oder schlechter, populärer oder unpopulärer, erfolgreicher oder erfolgloser … Schauspieler ist – was zählt, ist, dass der Mann aus eigener Initiative und auf eigene Kosten einen Appell an die Menschen in Deutschland gerichtet hat, weil ihm die Umwelt am Herzen liegt. Ob er das gut oder schlecht gemacht hat, sei dahingestellt. Ich stimme dem Ex-Kanalarbeiter Seitz, der bereits mit sagenhaften Artikeln wie „Gülcan & Collien ziehen aufs Land“, „Frauentausch“ oder „Aus alt mach neu – Brigitte Nielsen“ auf sich aufmerksam gemacht hat, zu, wenn er die Machart der Reportage als etwas zu effektheischerisch kritisiert:

Schon filmt die Kamera finstere Gestalten, die niemand vorstellt, aus einem Irgendwoher, das niemand benennt. Kurzum: Schon zeigt sich das ganze Strickmuster dieses Machwerks, für das sich ein öffentlich-rechtlicher Sender nicht hergeben sollte. In „Hannes Jaenicke: Einsatz für Orang-Utans“ will niemand niemanden informieren. Hier geht es nur darum, Gefühle zu transportieren, Emotionen zu schaffen. Und darum: Hass aufzubauen. […]

Die Machart des Films stößt mich ab.

und dem Journalisten-Bübchen vom Stern:

Diese unbequemen Tatsachen präsentiert Hannes Jaenicke im Stil einer amerikanischen Crime-Serie. Die Bilder sind schnell geschnitten und mit knalligen Soundeffekte unterlegt, besonders dramatische Szenen sind besonders stark verwackelt. […]

Dabei hätten viele Szenen in der Dokumentation auch ohne vollmundige Kommentare gewirkt.

Wie gesagt, sehe ich ähnlich. Wenn dann aber Herr Seitz am Ende seines Artikels resümiert

„Der Zweck heiligt das Mittel eben nicht.“

dann muss ich mich doch sehr wundern! Zum einen, weil das vor ein paar Wochen noch ganz anders klang (s. Jamie Oliver) und zum anderen, weil die Herren, bildlich gesprochen, den Rahmen und nicht das Bild kritisieren!

Nicht im Ansatz wird das Engagement von Jaennicke gelobt, nicht im Ansatz wird auf das Elend der Orang Utans in ernsthaftem Ton eingegangen, nicht im Ansatz wird etwas anders gemacht als stinkenden Sarkasmus und Zynismus zu versprühen! Wenn Stern-Milchbubi Sätze schreibt wie

„Die gefühlte Botschaft an die TV-Nation: „Einsatz in vier Wänden Spezial“ war gestern, „Hannes Jaenicke im Einsatz für Orang-Utans“ ist die Zukunft der Fernsehunterhaltung“

oder

„In Nahaufnahme werden die putzigen Tierchen gezeigt“

oder

„Orang Utans, die sich in einem Boxring für schamlose Thailänder und Touristen im „Freizeit“-Park zum Affen machen“

und sein Hamburger Kollege polemisiert:

Solchen Journalismus hat man seit DDR-Zeiten im deutschen Fernsehen kaum mehr sehen müssen.

dann beschleicht mich das Gefühl, dass hier zwei Menschen auf einer Art und Weise schreiben, die mit seriösem Journalismus nichts zu tun hat, stattdessen aber die Herkunft der beiden widerspiegelt: Der eine hat gelernt, unter Tage im Dreck zu wühlen und tut dies nun auch überirdisch; der andere ist der Schulhof-Welt noch nicht lange genug entwachsen um zu merken, dass man ihn nicht mehr als Weichei abstempeln wird, wenn er aufhört, einen auf dicke Hose zu machen und alles ins Lächerliche zu ziehen.

Apropos Journalismus: Wenn Herr Seitz Herrn Jaennike neuerdings für einen Journalisten hält, dann tut er dies bestimmt auch bei Al Gore oder Leonardo Di Caprio. Aber die sind dann natürlich „gute“ Journalisten, sind ja auch Promis, deren Sabber ist ja auch Nektar…

Und wer mir jetzt vorwerfen will, dass ich über die Herren genauso nievaulos schreibe, wie sie über die Orang Utans, der soll das tun – aber schliesslich sind die beiden doch auch nur Affen!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s