Ehrenkodex American-Style

Amerika. Das Land der beschränkten Geister und unbeschränkten Möglichkeiten. Ich lese immer wieder gern darüber, was die drüben für tolle Dinge finden, befinden, erfinden, herausfinden und mit uns teilen. Heute lese ich über ein besonders fortschrittliches College, an dem die Klausuren ohne Aufsicht geschrieben werden (und wo manche Klausuren sogar mit nach Hause genommen werden dürfen – um dort geschrieben zu werden, versteht sich).

Wow! Und jetzt fragen sich natürlich die Langzeit-Plagiatoren unserer Unis, wie das denn gehen soll, wird doch hierzulande nach dem Dreier-Prinzip verfahren: Einer wählt das Thema der Arbeit (im Zweifelsfall der Studierende), der Andere schreibt die Arbeit (im Zweifelsfall der beste Freund des Studierenden) und der Dritte korrigiert sie (im Zweifelsfall ein sehr guter Freund des besten Freundes des Studierenden).

Die Lösung ist so einfach wie das Gemüt von Paris Hilton: Man führt einen Ehrenkodex ein! Mann, da hätten wir doch von selbst drauf kommen können! So ähnlich wie bei den Ärzten, nur eben anders, da es bei dem Ehrenkodex am Sweet Briar College darum geht, so viele Leute anzuschwärzen, wie möglich.

Zusammengefasst klingt das dann so:  

Zwar kennen auch in Deutschland einige Berufsgruppen Ehrenkodices, doch unter den Studenten fehlen solche selbstauferlegten Bestimmungen. In Amerika dagegen sind sie schon längst etabliert. […]

Besonders stolz ist man in Sweet Briar darauf, dass sich die Studentinnen selbst um die Einhaltung des Kodex kümmern. Über die Verstöße wacht ein Studentenkomitee – ganz im Sinne von Thomas Jefferson, dem Gründungsvater der Vereinigten Staaten und einstigen Leiter des College William and Mary in Virginia, an dem er Ende des 18. Jahrhunderts den vermutlich ersten akademischen Ehrenkodex einführte. Dort gehört es zur Tradition, nicht nur den Intellekt, sondern auch die Moral schulen zu wollen: Aus kleinen Jungs sollten Ehrenmänner werden. Regeln für ehrenhaftes Verhalten existierten dort schon lange, bevor Thomas Jefferson den Kodex offiziell einführte. Auf ihn aber geht die Vorstellung zurück, dass die Studenten selbst ihre Verhaltensregeln formulieren, ratifizieren und über Vergehen wachen. […]

Denn über das Versprechen, nicht zu schummeln, wachen außer dem eigenen Gewissen auch die Kommilitoninnen: Ihre Klausuren schreiben die Studentinnen zwar ohne Aufsicht des Dozenten, aber gemeinsam in einem Raum. Und jeder ist verpflichtet, Betrügereien zu melden, die Studentinnen überwachen sich also gegenseitig.

Big Brother, da haste mal wieder eine super Idee gehabt. McCarthy und Hoover wären zu Tränen gerührt vor Stolz auf ein solches Denunzianten-Netzwerk einen solch schönen Ehrenkodex. Und da soll noch mal einer sagen, man könne Scientology nicht auch etwas Positives abgewinnen bzw. was von denen lernen.

Beim Lesen des Artikels habe ich mich allerdings ständig eines gefragt: Enthält der Ehrenkodex auch den Passus „Ich werde nicht Amok laufen und euch alle erschießen.“?

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