K2

Eben lese ich im Spiegel die Schlagzeile Geretteter Italiener prangert Fehler bei Expedition an. Mario Confortola ist einer von 14 Mutigen, die den K2, den zweithöhsten Berg der Welt, besteigen wollten. Offenbar waren sie so mutig, dass sie sich die Erklimmung der Bergspitze sogar noch bei bereits einsetzender Dämmerung zutrauten. Nun sind 11 von ihnen tot. Warum? Herr Confortola hat die Schuldigen bereits gefunden: Die Veranstalter der Tour.

Die Bergtour sei bestimmt gewesen von Unerfahrenheit und schlechter Ausrüstungsqualität, einschließlich der Seile und Haken, die leicht brachen […].

Das sieht auch einer der beiden geretteten niederländischen Bergsteiger so. Er macht

Fehler bei der Vorbereitung auf den letzten Anstieg für das Unglück mitverantwortlich. So hätten die vordersten Bergsteiger Seile an falschen Stellen befestigt, was eine stundenlange Verzögerung zur Folge gehabt habe. 

Ich habe da noch andere Schuldige gefunden, Herr Confortola und Herr Van Rooijen! Von denen könnten allerdings leider nur noch 3 zur Verantwortung gezogen werden. Ob sie allerdings genügend Verstand haben, die ihnen gemachten Vorwürfe zu verstehen, darf bezweifelt werden.

Man kann von Reinhold Messner halten, was man will. In diesem Fall muss ich aber seiner Kritik an den Bergtouren, die er im Interview mit N24 äußerte, beipflichten:

„Es wird nicht der letzte Unfall in dieser Dimension bleiben, wenn dieser Humbug, Reisegruppen auf den K2 und auf den Everest zu führen, nicht aufhört“, sagte der italienische Bergsteiger. „Wer auf die Achttausender steigen will, der muss Eigenverantwortung mitbringen und fähig sein, in solchen Höhen selbständig zu handeln.“ Leider gebe es aber heute eine große Nachfrage nach solchen Trips, „und wo es eine Nachfrage gibt, da gibt es auch einen Markt, und der setzt mittlerweile sehr viel Geld um“. 30.000 bis 40.000 Euro kostet eine Tour auf den K2, der Everest ist noch teurer.  

Die Grundfehler der Hobbykletterer am Berg seien dabei immer die gleichen, 1996 wie auch heute: „Damals, am Everest, hatten ein Sturm und der Tod von zwei Bergführern zu der Tragödie geführt, am K2 war es eine Eislawine, die den Rückweg versperrte – Fakt ist, dass den Kletterern jeweils die Erfahrung fehlte, um sich selbständig aus der Situation zu befreien“, erklärt Messner. In beiden Fällen sei es zudem ein viel zu großes Risiko gewesen, noch bei anbrechender Dunkelheit den Gipfelsturm zu versuchen: „So was ist reine Dummheit, das ist nicht professionell.“

(via: Stern)

Nur noch einmal zur Erinnerung: Die Hobby-Kletterer sind FREIWILLIG auf den Berg geklettert, FREIWILLIG bei bereits einsetzender Dämmerung weitergeklettert und wussten, dass es auf Bergen schonmal zu dem einen oder anderen Lawinenrutsch oder heftigen Sturm kommen kann. Es kann doch nicht sein, dass ich noch nie getaucht bin, aber meine, mir eine Sauerstoffflasche umbinden und zum Grund des Marianengrabens runtertauchen zu können bzw. zu müssen. Oder zum Kīlauea pilgere und mich dann wundere, dass mir plötzlich ein Gesteinsbrocken vor den Latz knallt oder Lava die Socken versengt. Tour-Guide hin oder her, in solchen Situationen muss man selbst abschätzen, ob man bereit ist, das Risiko einer solchen Unternehmung zu tragen, oder nicht. Und bei nicht voll intaktem Equipment versuche ich doch nicht auch noch, es auf die Spitze zu treiben! Ungeachtet dessen gibt es beim Bergsteigen keine 100%ige Sicherheit – egal, mit welchem Führer oder welcher Ausrüstung man unterwegs ist.

Und wenn es schon Extremsport sein muss: Warum dann nicht Extrem-Freeclimbing oder Base Jumping. Passt du nicht auf, peng, tot. Selbst schuld. Kein Mensch muss sein Leben riskieren, um dich zu retten, keine Welt in Aufruhr, keine Schuldzuweisungen, alles gut. Denkt mal darüber nach, bevor ihr euch wieder auf einen Berg begebt oder unbedingt Urlaub im Irak machen müsst.

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