Deutschland, einig Regulierungsland

Wer schon einmal Unkraut gejätet hat, der weiss dass es nichts bringt, nur den sichtbaren, überirdischen Teil zu entfernen, um das Unkraut loszuwerden. Man muss es mitsamt Wurzel ausgraben, damit es nicht nachwächst oder, noch schlimmer, sich stärker ausbreitet.

Nun sind Politiker aber keine Gärtner oder Unkraut-Experten. Und wenn sie es wären, sie hätten glatt ihren Job verfehlt. Vielleicht sind sie es deswegen nie geworden… Nun denn.

Jedenfalls haben sich unsere 16 Schildbürger einen neuen Streich einfallen lassen. Wenn es nach ihnen geht, dann soll es schon bald an Tankstellen und Kiosken in der Zeit zwischen 22 Uhr – 5 Uhr morgens keinen Alkoholverkauf mehr geben. Und warum? Weil sich unsere Politiker so sehr um unsere Jugend sorgen! Ja, kaum zu glauben, aber wahr. Nachdem neulich unbestätitgen Quellen zufolge der Sohn eines baden-württembergischen Politikers spät nach Hause kam und seinem Herrn Papa vor die Füsse kotzte, gab es eine kleine Meinungsverschiedenheit zwischen dem Hackevollen und dem anderen. Dabei musste der Nüchternere zu seinem Entsetzen erfahren, dass es in Baden Wuerttemberg (aber vermutlich auch in ganz Deutschland) eine nicht geringe Anzahl von Jugendlichen gibt, denen es TROTZ EINES STRIKTEN JUGENDSCHUTZGESETZES, das den Verkauf von Alkohol an Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren verbietet, immer wieder gelingt, sich dieses Teufelszeug anzueignen. Prompt entschied er, dass diesem Treiben Einhalt geboten werden müsse.

Das fanden die anderen Minister-Lemminge natürlich auch toll. Und so haben die erwachsenen Komasäufer unter uns bald das Problem, dass sie sich nach dem Diskobesuch keinen Alkohol mehr an der Tanke für die lange Autobahnfahrt nach Hause werden holen können. Und um die Gäste bei Stimmung zu halten, werden die Gastgeber unter uns wohl bald wieder ihre Wasserpfeifen und Bongs auspacken müssen, wenn sich auf der Party der Alkohol dem Ende neigt. Und der Schichtarbeiter, dessen Schicht um 22 Uhr endet, wird wohl bald auf Bionade umsteigen müssen, wenn er sich mit seinem Kumpel an der Imbissbude auf der Ecke noch eine Currywurst reinpfeift.

Ich sehe eine grosse Gefahr in diesem Verbot! Wo die Mehrheit unter den Fehlern einer Minderheit leidet oder für deren Fehler büßen muss, da ist die Revolution nicht weit! Damit meine ich nicht die jugendlichen Komasäufer, unter deren Fehlverhalten die anderen 82.300.000 Bundesbürger leiden müssen, sondern die Politiker mit ihren hirnrissigen Verboten. Mal ganz davon abgesehen, dass es schon zur Prohibition Mittel und Wege gab, an Alkohol ranzukommen, gibt es doch ein Gesetz, das den Verkauf regelt. Und dann gibt es noch ein Gesetz das regelt, wie lange die Jugendlichen eigentlich herrenlos draußen umher ziehen dürfen. Anstatt diese Gesetze aber konsequent zu verfolgen, reißt man das Unkraut einfach nur ab anstatt es auszureißen. Die Jugendlichen werden sich den Alk halt tagsüber holen und horten. Wahrscheinlich dann sogar noch mehr trinken, weil sie im Hort den Alk dann kasten- und nicht flaschenweise lagern. Zudem gibt es Online-Lieferanten, die einem den Alkohol ganz bestimmt liefern. Zur Not hat man ihn eben um 21.55 Uhr bestellt.

Die Verbote in diesem Land werden unter dem Deckmantel des Schutzes der Bürger immer idiotischer und entmündigen die Mündigen! Was soll denn als Nächstes zu unserem Schutz beschlossen werden? Ich habe da einige Vorschläge, die so absurd sind, dass sie schon wieder gefährlich realistisch sind: Man verbietet den Bürgern Wertgegenstände zu besitzen, denn die könnten gestohlen werden. In ganz schlimmen Fällen könnte man bei dem Diebstahl sogar verletzt oder getötet werden. Mit diesem Beschluss würde man dann nicht nur die Kriminalitätsrate senken sondern gleichzeitig auch die Ausgaben der Versicherungen! Prima Idee, oder? Dann sollte beschlossen werden… ach, ich schenk mir den Rest! Wird wahrscheinlich eh bald in den Zeitungen zu lesen sein.

Wenn das so weiter geht, dann Leben wir ja bald in Utopia, wo alles zum Wohl der Bürger reguliert wird. Doch es ist nur ein kleiner Schritt von Utopia nach Dystopia…

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Eine Antwort zu “Deutschland, einig Regulierungsland

  1. Schon wieder ein Beitrag, der sich mit den Peinlichkeiten der Politiker beschäftigt/beschäftigen muss.
    Leider wird es zu Utopia nicht kommen, denn der steht die „conditio-sine-qua-non“-Formel im Wege, aber etwas Anderes ist doch sehr interessant:
    Richtig hingewiesen ist auf das Jugenschutzgesetz. Warum treibt sich des Politikers Ableger des Nachts draußen und offensichtlich unbeaufsichtigt herum. Hier hat der Herr Politiker wohl seine Aufsichtspflicht vergessen! Würde er der nachkommen, bräuchte er nicht laut nach legislativen Keulen zu rufen. Oftmals sind nämlich die vorhandenen Mittel völlig zureichend, wenn sie nur richtig eingesetzt werden.
    So befreit den Leser nur die Hoffung, dass der Herr Politiker sich möglichst lange mit den Auswürfen seines Sohnes beschäftigen durfte, anstatt Kraft durch Schlaf für weitere Regulierungswut zu sammeln.

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