Sinkender Stern

Eigentlich wollte ich mich zuerst nur wieder darüber aufregen, dass hier wieder Werbung für ein Unternehmen gemacht wird, nämlich Youporn. Dann habe ich gedacht, hm, warum sollte der Stern wohl Werbung für Youporn machen. Werden die wohl kaum nötig haben. Dann habe ich mir den Artikel durchgelesen und dachte „Ach du meine Güte!“

Hier hat einer wirklich jeden Schund, den man zum Thema Porno zusammensuchen konnte, zusammengesucht, in ein Sandwich aus pseudojournalistischem Gefasel und Tonnen aus Überhaupt-nicht-mehr-shocking-weil-längst-bekannt gepackt und sich darüber gefreut, dass er endlich mal ein paar unanständige Wörter schreiben durfte.

Dies macht der Autor dann eine Seite lang, bis der Leser entweder schon so gelangweilt ist, dass sich ihm vor lauter Gähnen die Kinnlade aus der Verankerung zu lösen droht. Oder bis er Angst bekommt. Und zwar davor, dass da draußen in der bösen realen Welt jemand mit einer Videokamera oder einem Handy Aufnahmen von ihm gemacht haben könnte, die ganz doll viel von seinem Astralkörper zeigen. Oder, dass der gemeine Ex-Partner die romantischen Kuschelstunden, die man mit der Kamera gefilmt hatte, um sich später an ihnen ergötzen zu können, wenn die Romantik längst verflogen ist, nicht mehr rausrückt. Und noch viel mehr Angst hat er davor, dass in der noch viel böseren Internetwelt diese Aufnahmen nun auf irgendeinem Pornoportal gezeigt werden.

Und dieser verblödete verängstigte Stern-Leser liest dann auch Seite 2 des kritisch recherchierten Artikels und kann bald wieder aufatmen – denn Rettung naht! Und zwar in Form einer tollen Firma, die angeblich anhand von aus Fotos gewonnen, biometrischen Daten die unfreiwilligen Pornodarsteller in den lustigen Selfmade-Homestyle-Filmchen findet. Mal ganz davon abgesehen, dass das FBI wahrscheinlich gerne auch so eine Software hätte und der Tatsache, dass kaum einer der Laien-Rammler seine Visage genau in die Kamera gehalten haben wird, eine tolle Geschäftsidee. Pornos gucken bis zum Exitus und dabei noch gut Kohle verdienen.

Aber mal kurz eine Frage an die Stern-Redaktion: Warum steht in der Überschrift des Artikel „Youporn“ und nicht der Name der Firma, für die hier eigentlich Werbung gemacht wird bzw. die den Artikel finanziert hat? Vielleicht, um die Leser gezielt in die Irre zu führen oder um nicht zu offensichtlich den Auftraggeber des Artikel zu nennen? Und warum wurde dieser Artikel eigentlich geschrieben? Laut Gründer der suppiduppi-Firma

ziehen sich auch nicht alle aus. Die wenig Gebildeten seien es vor allem, stellt Gems fest. „Je intellektueller, desto weniger ist das verbreitet“, so der Porno-Detektiv.

Und diese Ungebildeten lesen doch wohl kaum den Stern, oder?

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Eine Antwort zu “Sinkender Stern

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