Lob an das ZDF

Mit Lob halte ich mich in der Regel stärker zurück als mit Tadel. Dürfte dem einen oder anderen Leser, der hier häufiger vorbeikommt, vielleicht schon aufgefallen sein. Aber heute möchte ich mal ein ernstgemeintes Lob loswerden. Und dazu noch ein Doppeltes!

Mein Lob gilt dem ZDF! Zum einen für den wunderbaren Beitrag „Die großen Träume der Kleinen“ über Chinas Kaderschmieden des Sports, der letzten Mittwoch im Fernsehen ausgestrahlt wurde. Der Film zeigt auf sehr kritische aber zugleich unaufdringliche und einfühlsame Art, wie die Kinder in China zu angehenden Olympiasiegern getrimmt werden. Einen ersten Eindruck darüber, was diese Kinder über sich ergehen lassen müssen, erhält man über die Informationen zur Sendung:

 Sie sind noch nicht einmal zehn Jahre, der Jüngste ist gerade einmal drei. Manche müssen noch lernen, sich selbst die Schuhe zu binden. Doch in ihren Augen spiegelt sich keine Kindheit mehr. All diese Kinder leiden unter einem gewaltigen Erfolgsdruck: Sie sollen olympisches Gold gewinnen. In chinesischen Kaderschmieden durchlaufen die Kleinen eine harte, unerbittliche Auslese, bei der sie nur eines durchhalten lässt: ihre Träume vom Olympiasieg.

Sie haben die Zuneigung ihrer Eltern noch gar nicht wirklich erfahren, da werden sie aus der Obhut der Familie gerissen und in das berühmte Li Xiaoshuang Sportinternat gesteckt. Eine harte, tränenreiche Ausbildung beginnt. Tag für Tag trainieren sie ihre kleinen, unausgereiften Körper, erdulden psychische und physische Schmerzen. Aus ganz China bringen hoffnungsvolle Eltern ihre Kleinen dorthin, um vielleicht einen Olympiasieger am Reck, Barren oder beim Boden-turnen formen zu lassen. Ihre ganzen Ersparnisse haben die Eltern zusammen-gekratzt, Schulden gemacht, nur um den Kindern ihren Traum vom olympischen Gold und sich selbst den Traum vom besseren Leben vielleicht zu erfüllen.
Die ersten werden schon nach sechs Monaten aussortiert, weil sie nicht durch-halten. Die anderen trainieren die chinesischen Trainer mit unbewegter Miene jahrelang, bis zum großen Provinzwettkampf. Unter den kritischen, teilnahmslosen Augen von noch härteren Ausbildern, müssen sie zeigen, was sie können. Wer dort siegt, hat die nächste Stufe der steilen Treppe in den Kader der Auserwählten geschafft, kämpft um das Ticket für Olympia. Die meisten werden erbarmungslos aussortiert – ungeeignet, zu schwach. Für die Kinder bricht eine Welt zusammen, für die Eltern ist es oft der finanzielle Ruin. Für alle aber sind es geplatzte Träume.
Und für die wenigen, die die strenge Auslese überstehen, sind die Momente des Glücks bald vorbei: In der nächst höheren Kaderschmiede beginnt die Quälerei von vorn – nur noch härter, noch unerbittlicher. Und alles für den Traum, zu den Auserwählten zu gehören. Olympiasieger aber kann immer nur einer werden. Und Versager gelten nichts im Reich der Mitte.
Die ZDF-Dokumentation begleitet drei Kinder auf ihrem Weg – vom ersten Tag in der Kaderschmiede bis zum teilweise bitteren Ende am D-Day, am Tag der Auslese.

(via: ZDF)

Ich bin nicht naiv und weiß, dass man – gerade im Leistungssport – sehr hart arbeiten muss, um Konkurrenzfähig zu sein bzw. zu bleiben. Aber wer selbst kleine Kinder hat und den Druck sieht, unter dem diese Kinder zu leiden haben, sowohl von Seiten der Trainer als auch der Eltern, wer die Enttäuschung, die Angst und die Verzweiflung in den Augen der Kinder sieht, wenn sie nicht die erwartete Leistung erbracht haben oder erbringen können, der wird mir zustimmen, dass der Leistungssport, so wie er heute definiert und praktiziert wird, sich schon in absehbarer Zukunft einer Revolution von unten gegenübersehen wird.

(via: RTV)

Mein zweites Lob gilt dem ZDF dafür, dass es so fortschrittlich ist und diesen Beitrag in seiner Mediathek online gestellt hat, so dass jeder, der sich diesen Film angucken möchte, dies hier tun kann.

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