Alles andere als Fabel-haft!

Als ich neulich mit meinem Sohn Spazieren ging, da fiel mir auf, dass sich auf eigentlich freier Straße plötzlich ein Stau bildete und die vorderen Fahrzeuge einen kleinen Schlenker fuhren, um etwas auszuweichen, das auf der Straße lag. Ich blieb stehen und guckte genauer hin, konnte aber zuerst nicht genau erkennen, was sich da abspielte. Nach ein paar Sekunden sah ich dann, was los war. Es lag eine tote Ente auf der Fahrbahn. Das war aber nicht alles. Da war nämlich noch eine Ente und es schien auf den ersten Blick, als wollte sie die tote Ente auffressen. Sie zupfte an dem leblosen Vieh, biss ihr mehrmals in den Hals, quakte ganz aufgeregt und fing wieder an zu ziehen und zu zerren. Und während das Ganze vonstatten ging, wichen die Autofahrer schön lieb den beiden Enten aus, um nicht auch noch die zweite Ente zu überfahren.

Nun ist es aber so, dass (zumindest meines Wissens) Enten keine Aasfresser sind. Und so schien es auch nur auf den ersten Blick, dass die eine Ente die andere fressen wollte. Tatsächlich war es so, dass sich die tote Ente zuvor mit einem Bein irgendwie in dem Spalt verfangen hatte, die eines der beiden Bahngleise und die Straße bildeten. Und die andere Ente versuchte offenbar nichts anderes, als die tote Ente von der Straße zu zerren! Sie ergriff immer wieder mit ihrem Schnabel den Hals der anderen Ente und zog daran in Richtung Straßenrand.

Das konnte ich aber erst erkennen, als ich bereits neben der Ente – und einem Autofahrer, der kurz zuvor stehen geblieben war – stand. Beherzt griff er die tote Ente, legte sie auf die Wiese am Fahrbahnrand und fuhr dann etwas verstört weiter. Verstört ging auch ich weiter, mein Sohn guckte längst schon woanders hin.

Zwischen den Moment, in dem ich den Stau bemerkte und dem, als ich an die Ente herantrat, lagen gefühlte 3 Minuten. Es dauerte so lange, 1. weil ich zuerst nicht bemerkte, was da eigentlich los war, 2. weil die Straße ununterbrochen befahren wurde und ich mich aus Sorge um meinen kleinen Sohn nicht auf die Straße wagte, 3. ich Angst hatte.

Ich hatte Angst, weil ich nicht wusste, wie lange die Ente schon tot da gelegen hatte und sie deswegen vielleicht irgendeine Krankheit übertragen könnte. Als ich schließlich ein Taschentuch ausgepackt hatte, mit dem ich die Ente anfassen wollte und schon halb auf der Straß stand, hatte bereits auch ein Autofahrer ein Einsehen gehabt…

Man kann diese Geschichte glauben oder nicht. Sie ist jedenfalls wahr. Ich kann es nicht beweisen, aber das brauche ich auch nicht. Denn sie dient mir eigentlich nur als eine Art Fabel, als so etwas wie eine Überleitung zu einer anderen Geschichte, die, wie die von mir erzählte Geschichte, ebenso unglaublich wie wahr ist. Die ich aber mit Bild und Ton beweisen kann.

 

Es geht um eine Frau, die in eine Klinik kommt und dort unglaubliche 24 (!) Stunden in der Notaufnahme auf ein Bett wartet. Plötzlich bricht sie zusammen, fällt zu Boden, windet sich unter Schmerzen verstirbt schließlich. Obwohl andere Personen mit im Wartezimmer sitzen und Krankenhauspersonal auf die am Boden Liegende aufmerksam wird, kümmert sich erst nach einer (!) Stunde eine Ärztin um die zu diesem Zeitpunkt bereits tote Frau.

Ich könnte es nun besonders rührselig und auf die Tränendrüse drückend formulieren und sagen, dass in der Not eine Ente einer anderen Ente eher beisteht, als ein Mensch einem anderen Menschen. Aber damit würde ich mich lächerlich machen.

Es bedarf auch keines weiteren Wortes von meiner Seite mehr, denn meinen Kommentar zu dieser Tragödie habe ich mit meiner „Fabel“ schon abgegeben. Und wer das das jetzt nicht versteht, der hat ohnehin nichts verstanden! Einzig der Hinweis auf ein altes lateinisches Sprichwort sei mir noch erlaubt: Homo homini lupus!

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4 Antworten zu “Alles andere als Fabel-haft!

  1. Frau Mahlzahn

    Ich finde keine Worte. Ich dachte immer, dass Ärzte oder Krankenpfleger ihren Beruf mit sehr vielen idealistischen Vorstellungen gewählt haben, nämlich denen des Helfens, für Andere da sein, mit seiner täglichen Arbeit einen humanitären Zweck erfüllen (oder so was ähnliches). Wo sind diese Vorstellungen geblieben? Oder sind meine Vorstellungen falsch? Lockt einen Arzt tatsächlich nur der gute Verdienst? Wird das Krankenhauspersonal mit viel zu vielen Überstunden bei viel zu niedrigem Verdienst überfordert , sodass es seine „eigentliche Bestimmung“ irgendwann aus eigenem Frust aus den Augen verliert?
    Und was ist mit den anderen Patienten im Raum? Was lässt die Leute so abstumpfen, dass sie sich nicht rühren, um Hilfe zu holen?
    Ich hätte riesengroße Angst in so einer Situation. Doch wenn ich nicht wenigstens jemanden zur Hilfe holen würde, würde ich mein ganzes Leben lang das Gefühl einer Schuld mit mir herumtragen. Das Gefühl, für den Tod eines anderen Menschen verantwortlich zu sein.

  2. Es ist möglicherweise das erste Mal, dass eine solche Aufnahme an die Öffentlichkeit gelangt, aber der Vorgang an sich ist nicht ungewöhnlich!
    Solange es Aufgabe von Schwestern und Arzthelferinnen, die bekanntlich nicht Ärzte sind, ist, den Zustand eines in der Praxis oder in der Ambulanz erscheinenden Patienten zu beurteilen, wird es immer wieder zu ähnlichen Situationen kommen.
    Ich kenne eine Vielzahl von Fällen, in denen Patienten sich vorgestellt haben und nach einem flüchtigen Blick oder wenig ergiebiger Fragen im Wartezimmer „deponiert“ worden sind und dort erhebliche Verschlechterungen ihres Zustandes erfahren haben.
    Würden alle Patienten mit bislang nicht aktenkundigen Sachverhalten sofort von einem Arzt angesehen, könnten solche Vorfälle vermindert werden.
    Ich gebe zu, dass heutzutage eine solche Forderung zu einer Kostenexplosion führen könnte – es sei denn, auch die Patienten würden sich ihrer eigenen Verantwortung bewusst und würden ihre Befindlichkeiten nicht überzeichnen, sondern versuchen, ein der Realität nahe kommendes Bild ihres Zustandes beschreiben. Dann würde die Zahl der vermeintlichen Notfälle deutlich sinken, und die Ärzte könnten sich so ihren Patienten widmen, dass diese ohne ausufernde Wartezeiten behandelt werden könnten.

  3. Ich bin sofort bereit zu glauben, dass es sich hier nicht um etwas „Ungewöhnliches“ handelt (was auch dieses Video zu belegen scheint: http://www.latimes.com/news/local/la-me-king2-2008jul02,0,5494525.story).
    Und ich bin auch durchaus deiner Meinung, dass die „Hypochonder“ unnötig die Zeit der Ärzte (zumindest der „falschen Ärzte, nämlich der Nicht-Psychologen bzw. Nicht-Psychotherapeuten) in Anspruch nehmen und (somit) viel Geld kosten.
    Aber: Wie aus dem SPIEGEL-Artikel zu entnehmen ist, wurde Esmin Green „gegen ihren Willen eingewiesen“. Dass dies geschehen ist, weil sie sterbenskrank war, bezweifele ich. Aber irgendeinen Grund wird es wohl gegeben haben. Es ist somit nicht so, dass sie das Kings County Hospital auf eigenen Wunsch, geschweige denn als Hypochonder aufgesucht hätte. Und in diesem Fall, so mein Laienverständnis, hat sich das Krankenhauspersonal gefälligst auch um die Frau zu kümmern. Nicht genug, dass sie 24 Stunden in der Notaufnahme warten musste – was, nebenbei bemerkt, für mich eine Zwangseinweisung schon wieder konterkariert –; sie wurde zudem auch dann noch von allen Anwesenden ignoriert, als sie ganz offensichtlich mit dem Gesicht auf einen Stuhl aufschlug und sich anschließend auf dem Boden krümmte.
    Ich würde verstehen, wenn sich einer nicht traut zu helfen, weil er Angst hat, selbst verletzt zu werden, sich mit einer Krankheit anzustecken, etwas falsch zu machen (hört man ja bei Autounfällen oft) etc. Aber in diesem Fall gibt es meiner Meinung nach keine Entschuldigung für das Fehlverhalten ALLER Beteiligten!

  4. Habe heute zufaellig beim Surfen ein Video gefunden, das zwar keine Ente zeigt, aber dafuer einen Hund, der seinen „Kameraden“ auch nicht auf der Strasse verrecken lassen will.

    http://www.liveleak.com/view?i=774_1228266264

    Wahre Freundschaft – bis in den Tod! Ohne jede Ironie sage ich: Ich bin beruehrt und geruehrt! Ich hoffe, dieser Hund ist nicht anschliessend im Tierheim gelandet, sondern hat ein Zuhause gefunden, in dem man ihm so behandelt, wie er es verdient!

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