Meine Rede! – dachte ich.

Josef Joffe, seines Zeichens Herausgeber der ZEIT, moniert in einem Artikelchen das Qualitätsgefälle zwischen Printzeitungen und ihren Onlineangeboten. Habe ich auch schon getan (erst hier, dann hier und dann noch hier), aber auf mich hört ja keiner!

Ich frage mich allerdings, was Herr Joffe mit seinem Artikel eigentlich bezwecken will? Er bezieht weder eine klare Position (etwa: Die ZEIT hält sowohl in der Printausgabe als auch Online einen hohen Qualitätsstandard ein – was für das Onlineangebot auch nachweislich nicht zutrifft und somit zu Recht nicht von ihm gesagt wird, oder: Die ZEIT muss ihr Onlineangebot verbessern – ein Statement, das imho absolut richtig ist, aber auch fehlt) noch bringt er konstruktive Lösungsvorschläge, wie die Qualität einer Online-Zeitung erhöht werden könnte. Mit polemischen Phrasen wie „Was macht denn guter Journalismus? Er trennt das Interessante vom Belanglosen. Er sortiert, wählt aus und deckt eine wunderbare Tafel. Er macht neugierig, aber nicht mit dem Dahergeplauderten. Seine Daseinsberechtigung ist die Autorität, hinter der Kenntnis und Urteil stehen.“ kann doch kein Mensch etwas anfangen!

Zudem begeht Herr Joffe in meinen Augen zwei Fehler!

1. Er stellt der Exzellenz auf Papier ein Anything Goes in den Foren gegenüber und macht Letzteres für den Qualitätsverlust der Onlineausgaben verantwortlich.

2. Er stellt wertend von Sachkennern verfasste Artikel dem user generated content gegenüber.

Die in den Foren getätigten Äußerungen haben keinerlei Einfluss auf den Artikel, geschweige denn auf seine Qualität. Es sind REAKTIONEN auf selbigen. Und diese Reaktionen zeigen erst die Qualität des Artikels auf. In der Zeit, als es nur Printausgaben gab, konnte man als Leser seine Meinung nur per Leserbrief kundtun  – ich will aber nicht wissen, wie viele von den kritischen Stimmen irgendwo ungehört verklangen (will sagen: einfach nicht abgedruckt wurden). Im Zeitalter der Foren ist das Spiel nicht mehr so einfach, da wird schonmal nachgehackt, warum denn ein Kommentar „editiert“ wurde.

Bei welcher Online-Zeitung gibt es denn bitte user generated content?? Wäre mir völlig neu. Abgesehen von irgendwelchen Studenten, die mal in einer Art Kolumne über ihre Zeit im Ausland berichten dürfen (habe so etwas, meine ich, mal beim SPIEGEL oder STERN gesehen) kommt UGC doch nur in den Foren vor. Und somit ist die oben getätigte Gegenüberstellung nicht zulässig!

Es scheint so, als würde Herr Joffe hier einiges durcheinander bringen. Oder auch nicht. Es kommt nämlich der leise Verdacht auf, dass hier nicht mehr die Rede von Zeitungen ist, egal ob Print- oder Onlineausgabe. Es geht hier um etwas völlig anderes, woraus sich auch der oben erwähnte Verzicht auf eine klare Position erklärt. Es geht hier um pure Existenzangst!

Foren werden verteufelt, weil sie viel zu deutlich die Inkompetenz einiger Schreiberlinge und somit die Boulevarisierung der Online-Zeitungen aufzeigen. Man muss sich heutzutage doch nur einmal die Leser-Kommentare durchlesen, um zu erfahren, wie der Qualitätsstandard irgendwelcher, von angeblichen Sachkennern verfasster Artikel ist. Und UGC ist nicht deswegen schlecht, weil es von Laien geschrieben wird, sondern weil es eine enorme Konkurrenz darstellt!

Seit es das Internet mit seinen Blogs und Seiten wie Rivva, Yigg oder Readster gibt, sinkt der Stern der Zeitungen – sowohl in gedruckter als auch in Online-Form.

Haben Sie Angst, Herr Joffe? Zu Recht!

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