Schöne neue Welt

In der Online-Redaktion der „Welt” hat man wohl ein bisschen zu häufig „Deutschland sucht den Superstar“ geguckt. Jedenfalls drängt sich dieser Eindruck auf, wenn man dort den Artikel über die in Deutschland steigenden Spritpreise liest. Man wollte einen Städte-Vergleich präsentieren und aufzeigen, wo der Sprit in Deutschland am günstigsten bzw. teuersten sei…

Mal ganz abgesehen davon, dass ein solcher Vergleich völlig sinnfrei ist, da wohl niemand von Hamburg nach München fahren wird, um dort günstiger zu tanken, ist ein Text entstanden, der in der Form wahrscheinlich nicht einmal in einer Schülerzeitung abgedruckt worden wäre und starke Ähnlichkeit mit dem Gelaber von Marco Schreyl hat, das RTL Moderation nennt.

Es hagelt leere Phrasen („Der für Benzin- und Dieselpreise mitverantwortliche gestiegene Ölpreis wird Experten zufolge weiter ansteigen.“), Wiederholungen („Die höchsten Preise für Superbenzin müssen Autofahrer in der hessischen Großstadt Kassel bezahlen. Dort lag der Literpreis laut dem Autoklub ADAC zuletzt bei 1,56 Euro.“ und drei Sätze weiter „Den Höchstpreis für Diesel müssten die Autofahrer in Freiburg bezahlen. Laut dem ADAC zeigt der Monatsvergleich von 20 Städten, dass Sprit in allen genannten Orten teurer geworden ist.“) und sinnloses unverständliches Zeug („Diesel kostete 1,51 Euro je Liter. Diesl, teilten Sprecher der Mineralölwirtschaft in Hamburg und Bochum mit.“)

Wie stark man sich bei der „Welt“ aber tatsächlich an „DSDS“ orientiert, zeigt sich besonders deutlich an der Tatsache, dass man sich eines reißerischen Aufhängers bedient, im Artikel selbst mit keinem Wort auf die Gründe für das Preisgefälle eingeht und dann noch allen Ernstes von demjenigen Leser, der sich für diesen Stuss interessiert, verlangt, dass er 40 Mal (!) klickt, um die Spritpreise für alle Städte zu erfahren. Nicht einmal bei „DSDS“ wird einem so etwas zugemutet, bevor man den Sieger erfährt. Und warum das Ganze? Damit der dumme Leser schön lange mit Online-Werbung berieselt werden kann.

Es erstaunt mich nicht, dass sich kein Schreiberling namentlich zu diesem Artikel bekennen will! Vermutlich wurde er ohnehin von einem für einen Hungerlohn arbeitenden Studenten geschrieben. Ich finde es ja eigentlich auch gut und richtig, wenn Praktikanten und Azubis auch mal ran dürfen – aber dann sollte doch bitteschön ein Redakteur, stellvertretender Redakteur oder deren Urlaubsvertretung den Artikel vorher mal korrekturlesen, bevor er veröffentlicht wird. Aber vermutlich ist das ja sogar geschehen…

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s