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Kafka

5. August 2008 · Kommentar schreiben

„Ein Araber, hoch und weiß, kam an mir vorüber; er hatte die Kamele versorgt und ging zum Schlafplatz.“

Dieser Satz stammt aus der Erzählung Schakale und Araber von Kafka. Wer Kafka schon mal gelesen hat, der weiß, dass er aus verschiedenen Gründen schwer zugänglich ist. Einer der Gründe liegt in seinem „Spiel“ mit Sprache, das er, wie Flaubert, meisterlich beherrscht. Daher schreibt Herr Reuß, wie ich finde zurecht, in seinem Artikel Der Messias der Schakale:

Es sind häufig ganz unscheinbare Abweichungen von der Standardsprache, die Kafkas Sätzen ihre erhellende Kraft verleihen.

Damit bezieht er sich auf den oben zitierten Satz, bzw. 

auf die Kombination der beiden Wörter „kommen“ und „vorüber“ zurückführen – eine Kombination, die in der deutschen Sprache ungewöhnlich, wenn nicht agrammatisch ist. Denn „kommen“ heißt: „direkt auf mich zukommen“ und ist mit der Rede vom „vorüber“ unvereinbar.

Scheint einleuchtend und nachvollziehbar. Doch dann führt Herr Reuß weiter aus:

Als ich die betreffende Stelle in der Handschrift des Oktavhefts 2 schließlich erstmals anschauen konnte, hatte ich den positiven Beleg dafür vor Augen, wie schlecht man im Falle Kafkas beraten wäre, wollte man dergleichen Auffälligkeiten unter die Rubrik „Unachtsamkeit“ fassen (vulgo: sie verdrängen). Tatsächlich lautete die erste Niederschrift noch, dem sprachlichen comment entsprechend: „ging an mir vorüber“. Das „kam“ setzte Kafka erst nach Streichung des „ging“ über die Zeile. Der semantische Eklat war ins Werk gerichtet. So kommen Kafkas Sätze auf uns zu. 

Man kann Kafka nicht mehr fragen, aber könnte es nicht sein, dass er hier einfach etwas vermeiden wollte, was schlechter Stil ist – nämlich die Wiederholung. Die Interpretationsansätze des Herrn Reuß in allen Ehren, aber eine so unschöne Wiederholung von „ging“ – das gefiel dem Meister bestimmt nicht. Aber wie gesagt, man kann ihn nicht mehr fragen. Und muss somit wohl alle Interpretation, die am Text belegbar sind, hinnehmen.

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Amy Winehouse’ Tod ist zum Geschäft geworden

5. August 2008 · Kommentar schreiben

„HUCH“, hab ich gedacht, als ich die obige Überschrift in der Welt las. Ist die arme Amy schon weg. Den Weg aller irdischen Rock ‘n’ Roller gegangen, ohne vorher Tschüss zu sagen?

Nein, natürlich nicht! Das würde Amy Schnapshouse uns doch nicht antun. Stattdessen hat sich nur eine Welt-Praktikantin mal als Autorin versucht und dabei direkt voll in die Bild-Sensationsjournalismus-Zubehör-Schublade gegriffen. Neben einer elliptisch-reißerischen Überschrift hat sie dann auch gleich mal klargestellt, was Sache ist:

Dieser Artikel könnte einer der letzten über die Kult-Sängerin Amy Winehouse sein.

Dieser Artikel könnte aber vor allem auch einer der letzten von Ihnen sein, Frau Behjat!

Nachtrag 1: Ich habe gerade etwas schmunzeln müssen. Ich wollte nämlich mal sehen, was die Dame denn sonst so für journalistische Höchstleistungen zu bieten hat und habe ihren Namen bei Google eingegeben. Und direkt der erste Treffer führte mich zu dem Artikel Klatsch Royal: Darf ich Sie der Herzogin von York vorstellen?, geschrieben für… natürlich die BILD!

Nachtrag 2: Entweder der Name Shila Behjat scheint sich großer Beliebtheit und somit Verbreitung zu erfreuen, so dass es mehr als nur eine Shila Behjat gibt, oder die gute Dame schreibt auch für die Zeit. Und den Stern. Da wundert mich doch gar nichts mehr!

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Ich werde geschützt!

5. August 2008 · Kommentar schreiben

Und zwar vom Amtsgericht Frankfurt/Main. Und zwar durch das Gesetz zur Presse und Meinungsfreiheit. So viel zu dem Thema, ihr lieben Abmahnanwälte!

Es kann nun also jeder fleissig und ohne Angst hier seine Kommentare zum besten geben! Ich werde dann so tun, als hätte ich sie nicht gelesen… ;-)

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Zu früh gefreut

5. August 2008 · Kommentar schreiben

Vor einigen Tagen kursierte auf vielen IT-Seiten (Beispiel 1, 2, 3) die Meldung, wo man Laptops günstiger bekäme als bei Promarkt, Mediamarkt oder wo es die Dinger sonst noch preiswert gibt. Nämlich am Flughafen. Man müsse einfach nur etwas Zeit mitbringen, sich auf dem Flughafen neben jemanden setzen, der am Laptop arbeitet und dann darauf hoffen, dass er das Ding beim Zusammepacken seiner Klamotten vergisst! Dann einfach Laptop einstecken, nach Hause fahren, fertig.

Nun die Ernüchterung: So einfach wird es dann wohl doch nicht. Es hat sich nämlich herausgestellt, dass die Studie, bei der die Wahrscheinlichkeit errechnet wurde, dass so ein Coup funktioniert (naja, nicht ganz; eigentlich wurde untersucht, wie viele Passagiere ihre Laptops an den Flughäfen in den USA und Europa pro Woche verlieren), von Dell in Auftrag gegeben wurde. Und zwar deswegen, um die eigenen Pro Support Mobility Services an den Mann zu bringen. Dabei wurde der Begriff „verlieren“ von dem ausführenden Institut Ponemon Institute LLC aber wohl etwas grosszügig definiert, wie es scheint. Demnach 

galt jeder Laptop als verloren, wenn er auch nur kurzzeitig vermisst wurde. Wenn zum Beispiel jemand bei einer Sicherheitsüberprüfung seinen Laptop zurück ließ, nach einer Minute aber zurück kam und ihn holte. Und das Ganze beruhte außerdem noch auf mehr oder weniger geschätzten Angaben der einzelnen Flughäfen. Auf Nachfragen meinte Ponemon, es seien weitere Untersuchungen erforderlich, um zu bestimmen, wie viele Laptops tatsächlich dauerhaft verloren gingen. Wahrscheinlich sei das aber nur ein “sehr kleiner Prozentsatz” derer, die zeitweilig vermisst werden.

(via: Inquirer)

Somit sind es pro Woche nicht 3300 Laptops in der EU und 12.000 Laptops in den USA, die verloren gehen, sondern sehr viel weniger. So viel weniger, dass sich das Warten am Flughafen nicht lohnt. Oder anders ausgedrückt: Man hat sich ein Laptop schneller erarbeitet als erwartet. ;-)

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Deutschland, einig Regulierungsland

5. August 2008 · 1 Kommentar

Wer schon einmal Unkraut gejätet hat, der weiss dass es nichts bringt, nur den sichtbaren, überirdischen Teil zu entfernen, um das Unkraut loszuwerden. Man muss es mitsamt Wurzel ausgraben, damit es nicht nachwächst oder, noch schlimmer, sich stärker ausbreitet.

Nun sind Politiker aber keine Gärtner oder Unkraut-Experten. Und wenn sie es wären, sie hätten glatt ihren Job verfehlt. Vielleicht sind sie es deswegen nie geworden… Nun denn.

Jedenfalls haben sich unsere 16 Schildbürger einen neuen Streich einfallen lassen. Wenn es nach ihnen geht, dann soll es schon bald an Tankstellen und Kiosken in der Zeit zwischen 22 Uhr – 5 Uhr morgens keinen Alkoholverkauf mehr geben. Und warum? Weil sich unsere Politiker so sehr um unsere Jugend sorgen! Ja, kaum zu glauben, aber wahr. Nachdem neulich unbestätitgen Quellen zufolge der Sohn eines baden-württembergischen Politikers spät nach Hause kam und seinem Herrn Papa vor die Füsse kotzte, gab es eine kleine Meinungsverschiedenheit zwischen dem Hackevollen und dem anderen. Dabei musste der Nüchternere zu seinem Entsetzen erfahren, dass es in Baden Wuerttemberg (aber vermutlich auch in ganz Deutschland) eine nicht geringe Anzahl von Jugendlichen gibt, denen es TROTZ EINES STRIKTEN JUGENDSCHUTZGESETZES, das den Verkauf von Alkohol an Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren verbietet, immer wieder gelingt, sich dieses Teufelszeug anzueignen. Prompt entschied er, dass diesem Treiben Einhalt geboten werden müsse.

Das fanden die anderen Minister-Lemminge natürlich auch toll. Und so haben die erwachsenen Komasäufer unter uns bald das Problem, dass sie sich nach dem Diskobesuch keinen Alkohol mehr an der Tanke für die lange Autobahnfahrt nach Hause werden holen können. Und um die Gäste bei Stimmung zu halten, werden die Gastgeber unter uns wohl bald wieder ihre Wasserpfeifen und Bongs auspacken müssen, wenn sich auf der Party der Alkohol dem Ende neigt. Und der Schichtarbeiter, dessen Schicht um 22 Uhr endet, wird wohl bald auf Bionade umsteigen müssen, wenn er sich mit seinem Kumpel an der Imbissbude auf der Ecke noch eine Currywurst reinpfeift.

Ich sehe eine grosse Gefahr in diesem Verbot! Wo die Mehrheit unter den Fehlern einer Minderheit leidet oder für deren Fehler büßen muss, da ist die Revolution nicht weit! Damit meine ich nicht die jugendlichen Komasäufer, unter deren Fehlverhalten die anderen 82.300.000 Bundesbürger leiden müssen, sondern die Politiker mit ihren hirnrissigen Verboten. Mal ganz davon abgesehen, dass es schon zur Prohibition Mittel und Wege gab, an Alkohol ranzukommen, gibt es doch ein Gesetz, das den Verkauf regelt. Und dann gibt es noch ein Gesetz das regelt, wie lange die Jugendlichen eigentlich herrenlos draußen umher ziehen dürfen. Anstatt diese Gesetze aber konsequent zu verfolgen, reißt man das Unkraut einfach nur ab anstatt es auszureißen. Die Jugendlichen werden sich den Alk halt tagsüber holen und horten. Wahrscheinlich dann sogar noch mehr trinken, weil sie im Hort den Alk dann kasten- und nicht flaschenweise lagern. Zudem gibt es Online-Lieferanten, die einem den Alkohol ganz bestimmt liefern. Zur Not hat man ihn eben um 21.55 Uhr bestellt.

Die Verbote in diesem Land werden unter dem Deckmantel des Schutzes der Bürger immer idiotischer und entmündigen die Mündigen! Was soll denn als Nächstes zu unserem Schutz beschlossen werden? Ich habe da einige Vorschläge, die so absurd sind, dass sie schon wieder gefährlich realistisch sind: Man verbietet den Bürgern Wertgegenstände zu besitzen, denn die könnten gestohlen werden. In ganz schlimmen Fällen könnte man bei dem Diebstahl sogar verletzt oder getötet werden. Mit diesem Beschluss würde man dann nicht nur die Kriminalitätsrate senken sondern gleichzeitig auch die Ausgaben der Versicherungen! Prima Idee, oder? Dann sollte beschlossen werden… ach, ich schenk mir den Rest! Wird wahrscheinlich eh bald in den Zeitungen zu lesen sein.

Wenn das so weiter geht, dann Leben wir ja bald in Utopia, wo alles zum Wohl der Bürger reguliert wird. Doch es ist nur ein kleiner Schritt von Utopia nach Dystopia…

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